Du bist nicht vergessen…

Ein Jahr ist es nun her, dass Du uns verlassen hast. Du bist einfach gegangen, ohne dass wir uns noch verabschieden konnten. Am Freitag, einen Tag bevor du gestorben bist, ging es Dir erstaunlich gut. So gut, dass ich dachte, dass sie Dich doch noch aus dem Krankenhaus entlassen würden. Du hast mich angelächelt und wir haben doofe Witze gemacht. Du konntest klare Sätze sprechen. Kein Zeichen für einen weiteren Anfall an diesem Tag. Es gab Pfannkuchen gefüllt mit Spinat und Rührei dazu Stampfkartoffeln. Sowas möchtest Du eigentlich immer gern. Als ich Dir das Essen gereicht hab, hast du so gut gegessen wie schon lang nicht mehr. Zum Nachtisch hab ich uns Eis geholt. Konfekt Eis und einen Erdbeerbecher. Zum Trinken wolltest Du ne Cola. Wir haben gemeinsam unser letztes Eis gegessen.

Gewusst das dies unser letztes Eis ist hab ich nicht. Geahnt auch nicht… oder kann man sagen gehofft??? Als ich mich an diesem Tag von Dir verabschiedet habe, sagte ich Dir, dass ich am Abend noch mal kommen würde. Ich nahm Dich in den Arm und gab Dir einen Kuss. Draußen wartete der Arzt auf mich. Er sagte mir, dass sich deine Werte wieder massiv verschlechtert haben. Du noch nicht mal mehr rote Blutkörperchen im Blut hast und das ich mich darauf einstellen könne, dass es nicht mehr lange dauert bis Du gehen würdest. An diesem Abend bin ich nicht noch mal bei Dir gewesen. Jacqueline war bei Dir und meinte Du seist so müde und deswegen bräuchte ich nicht noch mal kommen. Wir wollten sowieso am nächsten Tag alle wieder kommen.

Heute vor einem Jahr, es war ein Samstag mit viel Sonne und ich hab die Wohnung geputz. Auf einmal wurde mir schlecht und mein Bauch zog sich zusammen. Aus dem nichts heraus. Ich war sehr unruhig, dachte mir aber wenn was mit Dir sei, hätten die sich aus dem Krankenhaus schon gemeldet….

13:40 Uhr kam ein Anruf:

Der Arzt: Ich glaub ich muss ihnen eine schlechte Nachricht überbringen… Ihre Mutter ist gerade verstorben…

Ich habe gar nichts gesagt. Habe einfach aufgelegt. Fing an zu weinen und habe Ronni angerufen, das ich sofort ins Krankenhaus fahre. Du bist um 13:34 Uhr verstorben. Als ich dann bei Dir war und Dich da so hab liegen sehen, hab ich Dich angeschrieen. Warum Du verdammt noch mal nicht gewartet hast bis ich da war. Warum Du uns alleine lassen musstest. Dann konnte ich gar nix mehr sagen. Hab Dich lange angeschaut, Dir den Kopf gestreichelt. Dann deine Hand genommen und Dir gesagt wie sehr ich Dich liebe. Du mich doch nicht einfach als meine Mutter allein lassen kannst… Ich so gern bei Dir gewesen wär und Dir beigestanden hätte deine letzte Reise anzutreten. Ich wusste gar nicht, wie es jetzt ohne Dich weiter gehen soll… Du bist doch meine Mutter… Wir haben uns alle von Dir verabschiedet, Dir eine gute Reise gewünscht. Ich habe Dir für deine letzte Reise Körnchen mitgegeben. Den mochtest Du ja immer so gern. Es war schrecklich Dich da so liegen zu sehen. Aber irgendwie auch eine Erleichterung. Du hattest von da an keine Schmerzen mehr. Musstest nicht mehr leiden und Dich quälen. Hast innerliche Ruhe und Frieden gefunden. Dein Leid hatte nun endlich ein Ende…

Ich kann Dir sagen, in diesem Jahr ist viel passiert. Es vergeht nicht ein Tag wo ich nicht an Dich denke oder vermisse. Wo ich Dich einfach gern anrufen möchte oder zu Dir hin fahren möchte. Was würde ich drum geben wenn du mich noch einmal in den Arm nehmen würdest und “ach Schatz” sagen würdest… . Ich weiß, dass Du immer bei uns bist, alles von deiner Wolke aus beobachtest und Dir schon so manches Mal deinen Teil gedacht hast. Du bist zu denen gegangen die Dich liebten und wartest nun dort auf die, die Dich lieben 

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